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Raus
aus der Rentenversicherung!
Index
Rente
Reiche
Rentner, arme Rentner (Quelle: Stern TV und Magazin)
Eins ist sicher: Die Rente",
plakatierte Norbert Blüm 1986. Geglaubt hatten das dem Sozialminister
damals nicht mehr viele. Seitdem wurde immer weiter gekürzt, immer
wieder der Beitrag erhöht und der Spruch "Die Räntä is' sischär"
zur Lachnummer der Nation. Trotzdem widerstand Gerhard Schröder im
Wahlkampf 2002 nicht der Versuchung. Der SPD-Chef feierte die rot-grüne
Rentenreform als "eine der größten Sozialreformen" und
versprach: "Dadurch ist die Rente auch in Zukunft gesichert, und
die Beiträge bleiben langfristig finanzierbar."
Die angeblich größte Reform hielt nicht einmal drei Jahre. Schon
wieder ist die Rentenkasse leer. Mit einer noch nie dagewesenen
Brachialaktion versucht die Regierung nun, den Beitragssatz bei 19,5
Prozent zu stabilisieren: Im nächsten Juli fällt die Erhöhung der
Renten aus, und obendrein müssen die Ruheständler von April an auf den
Zuschuss zum Pflegebeitrag verzichten. Um durchschnittlich sieben Euro fällt
die monatliche Überweisung geringer aus. Faktisch sinken damit zum
ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte die Altersbezüge. "Die
Rente wird ja nicht gekürzt", beteuerte Kanzler Schröder am
vergangenen Wochenende und schwurbelte weiter, "aber es ist natürlich
so, wenn die Rentner zusätzliche Belastungen erfahren, dann hat das
Wirkungen, die die gleichen sind".
Alles klar? So geht es nun seit
Jahren in Deutschland. Ständig werden neue Tricks und Kniffe gesucht,
um eine ganz einfache Wahrheit zu vertuschen: Wenn immer weniger
Menschen in das System einzahlen und immer mehr Menschen Leistungen
bekommen wollen, dann werden die Renten sinken müssen, zumindest aber
kaum noch steigen können. Heute versorgen zwei Arbeitnehmer einen
Rentner - in 30 Jahren muss jeder Aktive für einen Ruheständler
aufkommen. Die chaotischen Rentendebatten um Formeln, Faktoren und
Finanzen haben das Vertrauen in das System auf einen noch nie
dagewesenen Tiefpunkt sinken lassen. Gerade noch sieben Prozent der
Deutschen glauben, dass die Renten sicher sind, von den unter 30-Jährigen
sogar nur vier Prozent. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des
stern.
Auch 81 Prozent der Rentner halten die Altersversorgung für nicht
gesichert. Die 64-jährige Ursula Israel, die mit ihren 806 Euro Rente
nur mühsam über die Runden kommt, flüchtet sich in Galgenhumor:
"Ich probiere das Überleben. Erschießen kann ich mich immer
noch." Tief verbittert ist Helmut Winter, mit 83 Jahren in dem
Alter, in dem "profilgierige politische Rotzlöffel uns Senioren
keine neuen Hüftgelenke mehr gönnen". Die mit guten Diäten
ausgestatteten Politiker hätten keine Ahnung von der Wirklichkeit,
schimpft er, "Dosen sind denen wichtiger als Bürger".
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