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Bankenunabhängige Unternehmensfinanzierung- Private Placement: Die vorbörsliche bankenunabhängige Eigenkapitalmarktemission

Grundlagen

Wie finanziert sich ein Unternehmen, welche Möglichkeiten gibt es ? Erste Möglichkeit: Fremdkapital, zweite Möglichkeit: Eigenkapital. Fremdkapital, also Darlehen von Banken, gibt es jedoch nicht unbeschränkt, sondern nur bis zu einer – nach Laune des jeweiligen Kreditinstituts – bestimmten Grenze. Auch muß Fremdkapital heutzutage nahezu hundertprozentig besichert werden, so daß dem Unternehmer kaum Manövriermasse für die weitere Kapitalbeschaffung bzw. die Liquiditäts-, Handel- und Unternehmenssteuerung bleibt. Zudem ist Fremdkapital mit laufenden Kosten belastet, nämlich den Kreditzinsen. Schließlich unterliegt Fremdkapital gerade in Krisenzeiten der Gefahr der Kündigung: Banken sind geradezu verpflichtet, die von Ihnen gewährten Kredite zurückzufordern, wenn das Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten gerät und seine monatlichen Raten nicht mehr bezahlen kann. Im Gegensatz zum Fremdkapital bietet die zweite Möglichkeit der Unternehmensfinanzierung, nämlich der Weg über das Eigenkapital, viele Vorteile. Zunächst stellt Eigenkapital als Haftungskapital für Investoren, Gläubiger und Fremdkapitalgeber eine Sicherheit für das eingesetzte Kapital bzw. ihre Forderungen dar. Eigenkapital ist grundsätzlich zins - und tilgungsfrei und stellt bilanztechnisch keinen Kostenfaktor dar, da es den jeweiligen Eigenkapitalgeber nur am unternehmerischen Erfolg, also am erwirtschafteten Jahresüberschuß beteiligt. Eigenkapital ist Liquiditäts- und Finanzierungsmasse sowohl für kurzfristige wie für langfristige Investitionen. Die Höhe des Eigenkapitals bzw. der Eigenkapitalquote dient Banken schließlich auch als Grundlage für ihre Entscheidung über die Vergabe von Krediten, also von Fremdkapital. Die großen Vorteile der Eigenkapitalfinanzierung spiegeln sich jedoch nicht in den Bilanzen der Unternehmen wieder.

Gerade der Mittelstand krankt an chronischer Eigenkapitalschwäche. Fast 60 % der westdeutschen und über 70 % der ostdeutschen mittelständischen Unternehmen weisen eine Eigenkapitalquote von unter 20 % aus, ein Drittel der westdeutschen und knapp die Hälfte der ostdeutschen Mittelständler sogar von weniger als 10 %. Das Problem ist um so gravierender, wenn man sich die Tatsache vor Augen führt, daß kleine und mittlere Unternehmen die tragende Säule der deutschen Wirtschaft sind:. 98 % aller Unternehmen zählen zum Mittelstand, hier werden mehr als zwei Drittel aller Ausbildungsplätze geschaffen und immerhin knapp die Hälfte aller Investitionen und Umsätze getätigt.

Wie und wo aber kann der mittelständische Unternehmer sich weiteres Eigenkapital beschaffen? Soweit es keine wohlhabenden und willigen Verwandten oder Bekannten gibt, lassen sich beide Fragen zusammenfassend relativ leicht beantworten: breit gestreut über ein "Going Public" an den Kapitalmärkten, oder mit anderen Worten mit einer Kapitalmarktemission.

Das bedeutet allerdings nicht, daß jedes mittelständische Unternehmen nunmehr gleich in die Rechtsform der Aktiengesellschaft umgewandelt werden muß, um sich nach einem aufwendigen und durchaus nicht ganz billigen Procedere an eine der deutschen Börsen führen zu lassen. Gewiß, dies ist sicherlich ein gangbarer Weg, er eignet sich jedoch nicht für jedes Unternehmen. Und gerade diejenigen Unternehmen, deren Kapitalbedarf sich eher im einstelligen und niedrigen Millionenbereich bewegt, brauchen über die Börse gar nicht erst nachzudenken. Denn das handelbare Volumen wäre in dieser Größenordnung für eine Notierung viel zu gering. Außerdem sollte gerade eine Börsengang wohlüberlegt sein. Denn neben dem (Teil-) Verkauf des Unternehmens kommen plötzlich zahlreiche Verpflichtungen auf das junge Börsenunternehmen zu, die den Mittelständler leicht überfordern können: Berichtspflichten, Aktienmarketing, Investor Relations, Hauptversammlungen, Geschäftsberichte usw. Leicht lassen sich mit diesen Aufgaben mehrere Mitarbeiter beschäftigen. Wenn nun aber der Gang an die Börse – aus welchem Grund auch immer – ausscheidet, welche Möglichkeiten zur Eigenkapitalbeschaffung hat das mittelständische Unternehmen noch, und worauf ist zu achten? Hier sind zwei Gesichtspunkte zu betrachten: einerseits die Frage nach dem "was", also der (Rechts-)Form des anzuwerbenden Eigenkapitals, zum anderen die Frage nach dem Vertrieb, sprich der Platzierung der einzuwerbenden Kapitaltranche.

Neben einer Aktienemission, die außerhalb der Börse im Rahmen eines sog. Private Placement auch am freien Kapitalmarkt vertrieben werden kann, bieten sich dem mittelständischen Unternehmer insbesondere die stille Beteiligung oder der Genußschein zur Eigenkapitalbeschaffung an. Beide Formen können flexibel in der Konditionengestaltung gehandhabt werden und sind nicht an eine bestimmte Rechtsform des Unternehmens gebunden. So steht auch GmbH’s und KG’s diese Form der Eigenkapitalbeschaffung offen. Zudem bieten sie den Vorteil, daß das stille wie das Genußrechtskapital so gut wie keine Mitspracherechte gewährt und der Unternehmer voll und ganz Herr seiner Entscheidungen bleibt. Schließlich können stille und Genußrechtsbeteiligte auch relativ problemlos vom Unternehmer gekündigt werden, so daß dieser sich nahezu jederzeit unliebsamer Beteiligter entledigen kann.

Der Weg des Private Placement ist im übrigen nicht nur auf Eigenkapitalemissionen beschränkt. So lassen sich auch ohne weiteres Fremdkapitalprodukte wie z.B. typisch stille Gesellschaften oder Inhaberschuldverschreibungen in diesem Rahmen, d.h. am freien Kapitalmarkt, plazieren.

Auch die Kapitalmarktemission am freien Kapitalmarkt muß gut vorbereitet und durchdacht sein. Der Verkaufsprospekt muß einwandfrei sein, das mit der Emission kreierte Anlageprodukt für den Kapitalanleger interessant. Fast wichtiger als der Anleger ist der Finanzvertrieb, der die Emission bei seinen Kunden plazieren wird. Dieser muß vom Unternehmen und vom Produkt überzeugt sein, dann ist der Grundstein für eine erfolgreiche Emission gelegt. Neben der klassischen Ansprache der Finanzdienstleister haben sich durch die rasante Entwicklung und der zunehmenden Akzeptanz des Internet neue Vertriebswege auch für Finanzprodukte wie Unternehmensbeteiligungen entwickelt. Auch die Marketinginstrumente sind nicht mehr nur auf Printmedien beschränkt, sondern umfassen die gesamte Computertechnologie mit Multimedia, CD-ROM usw. Ein Emissionsunternehmen sollte sich daher der professionellen Hilfe eines Vertriebskoordinators bedienen. Vertriebskoordinatoren kennen die Bedürfnisse der Finanzmärkte und sprechen die Sprache der Finanzdienstleister. Sie haben Kontakte zu Konzeptionären und kooperieren mit Markting- und Webagenturen gleichermaßen wie mit ED-Spezialisten, die die Software zur Anlegerverwaltung entwickeln können.

Abschließend sei darauf hingewiesen, daß auch und gerade für Kapitalanleger vorbörsliche Unternehmesbeteiligungen von großer Attraktivität sind. Denn das Engagement beginnt zu einem Zeitpunkt, an dem eine dynamische Unternehmenswertentwicklung aufgrund der Eigenkapitalinvestitionen unmittelbar bevorsteht. Und hieran kann der vorbörslich beteiligte Kapitalanleger von Anfang an profitieren. Nicht umsonst ist das Geschäft der Venture-Capital-Gesellschaften das der vorbörslichen Beteiligungen.

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